“Weiße” Dobermänner

Im aktuellen Deutschen Tierärzteblatt (9/2021) ist ein Fallbericht über cremefarbene Dobermann-Pinscher, deren Zucht rechtmäßig vom zuständigen Veterinäramt wegen Verstoß gegen §11b Tierschutzgesetz untersagt wurde. Begründet wurde dies mit dem Krankheitsbild des Okulokutanen Albinismus (OCA), das neben einer Aufhellung der Pigmentierung von Haut, Haaren und Iris zu Sehstörungen und melanozytären Neoplasien (Hautkrebs) führt. Die betreffenden Hunde mussten auf Anordnung der Behörde unfruchtbar gemacht werden.
OCA beim Dobermann läßt sich per Gentest nachweisen.
Die Aufhellung des Pigments kann von Hellgrau über Beige und Cremefarben bis hin zu Weiß reichen, die Haut und Schleimhäute sind rosa, die Augen sind hellblau.

Laut FCI-Rassestandard Nr. 143 sind beim Dobermann nur Schwarz bzw. Braun mit rostrotem Brand als Fellfarbe anerkannt. Bis in die 1990er Jahre waren auch blaue (dilute) Dobermänner zulässig. Da aber diese Farbe (ebenso wie Lilac, also dilute Braun) beim Dobermann sehr häufig mit der erblichen Hauterkrankung CDA verbunden ist, wurde der blaue Farbschlag schließlich aus dem FCI-Standard gestrichen. Der amerikanische Kennel Club (AKC) erkennt bis heute auch blau (also dilute schwarz) und lilac (also dilute braun, im Englischen auch als Fawn bzw. Isabella bezeichnet), jeweils mit Brand, als Farben an.
In den USA wurde in den 1970er Jahren eine Dobermann-Hündin mit OCA geboren, die als Stammmutter aller „weißen“ Dobermänner gilt. Die zugrundeliegende genetische Variante im Gen SLC45A2 wurde im Jahr 2014 molekulargenetisch identifiziert.

Lilac und durch OCA zu Hellgrau bzw. Beige aufgehelltes Haarkleid kann unter Umständen verwechselt werden, in solchen Fällen hilft ein Gentest bei der Differenzierung.

Quellen:

 

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